XANTHE
Xanthe – die Goldene, die Blonde.
In der griechischen Mythologie gehört Xanthe zu den Okeaniden, den Töchtern von Okeanos und Tethys. Sie ist keine Figur, deren Geschichte ausführlich erzählt wird. Sie bleibt eine Erscheinung am Rand der großen mythischen Erzählungen.
Vielleicht liegt gerade darin ihre Schönheit.
In meiner Papierarbeit erscheint Xanthe als weibliches Porträt in Seitenansicht. Das Gesicht bleibt weitgehend ausgespart. Nur die feinen Linien der Gesichtszüge und die Lippen lassen ihre Anwesenheit erahnen. Was fehlt, wird dabei ebenso wichtig wie das, was sichtbar ist.
Das Papier trägt Spuren, Schichtungen und Verletzlichkeit. Die Figur scheint sich aus diesen Fragmenten herauszulösen und zugleich wieder darin zu verschwinden. Der Körper ist präsent, doch das Gesicht verweigert sich dem vollständigen Blick.
Xanthe wird dadurch weniger zu einem Abbild als zu einer Vorstellung von einer Frau – schön, still und unerreichbar.
Die Arbeit fragt danach, wie viel von einem Menschen sichtbar sein muss, damit wir ihn erkennen. Und was geschieht mit einem Porträt, wenn gerade das Gesicht, der vermeintlich wichtigste Träger von Identität, fehlt?
Xanthe bleibt offen.